Letzte Woche habe ich den Film: Die Reise der Verdammten im Fernsehen angeschaut. Ein Film über die Judenverfolgung im 3. Reich. Wer den Film nicht kennt, hier ein Auszug aus der Filmdatenbank:
Am 13. Mai 1939 sticht der Luxusdampfer "St. Louis" von Hamburg aus in See. An Bord sind 937 jüdische Flüchtlinge. Ihr Ziel ist Havanna. Sowohl Kuba als auch die USA weisen die Asylsuchenden ab. Eine nervenaufreibende Odyssee beginnt. - Dramatische Verfilmung der historischen Schiffsreise mit Staraufgebot.
Auf die Handlung will ich gar nicht eingehen - schön gemacht der Film. Aber bei mir stellt sich dann immer wieder ein Gefühl ein:
Schuldig!
Denn von den über 900 Juden überleben gerade einmal 300 den Holocaust letztendlich. Die Reise mit dem Schiff führt vor die Küste Floridas. Es kommt ein Kreuzer der US Marine und lässt mitteilen, dass das Schiff amerikanisches Hochheitsgewässer passiert und doch bitte beidrehen soll. Die Reise geht dann zurück nach Deutschland, aber kurz vorher erklären sich doch ein paar Länder bereit, die Juden aufzunehmen. Leider entscheidet man sich für Holland und nicht für England als Ziel. Dann hätten wohl mehr überlebt.
Aber warum fühl ich mich da schuldig? Bin ich als Deutscher diesem ganzen etwas schuldig? Ich frage mich da immer, wie hätte ich reagiert. Hätte ich Juden geholfen, oder hätte ich mich in meiner Wohnung verkrochen und mir gesagt, ich tu keinem was, also tu mir auch keiner was?
Was bin ich froh, dass mein letztes Leben (nicht vergessen, ich bin immer noch ein Hypnosemachender Heilpraktiker der mit Rückführungen in frühere Leben und sogar dem Leben zwischen den Leben arbeitet ;-) nicht schuldig wurde. Dies wurde nämlich im Alter von 6-7 Jahren recht zügig beendet durch einen Volltreffer einer wohl etwas grösseren Bombe. Auf jeden Fall war ich von einem zum anderen Augenblick weg vom Fenster im wahrsten Sinne des Wortes.
Aber dennoch - welcher Deutsche schaut sich solch Filmmaterial nicht an und fühlt sich nicht schuldig? Oder welcher Amerikaner schaut sich dies an und schüttelt entsetzt den Kopf, warum diese Juden auf dem Boot nicht in Kuba oder Amerika landen durften. Ok, man wusste damals noch nicht, was letztendlich passieren wird (der Weltkrieg war ja noch nicht ausgebrochen) - aber dennoch, Flüchtlinge sind Flüchtlinge, oder? Und sollte es da nicht so sein, wie in einer guten Beziehung. Es zählt nicht, was der eine Partner glaubt was ist, wenn doch der andere sich als Flüchtling versteht, dann sollte es Grund genug sein, dies anzuerkennen.
Und schon sind wir bei einem anderen Wort. Flüchtling. Wer ist Flüchtling? Wer bestimmt das? Was hat das mit schuldig sein zu tun? Mir kommen dann immer so Gedanken - und gerade bei diesem Film noch viel eher - das ich <strong>jetzt</strong> schuldig werde. Ich muss mich gar nicht fragen, was hätte ich damals gemacht. Ich sollte mich vielmehr fragen: Was mache ich <strong>jetzt</strong>?
Bald geht es wieder los. Die Flüchtlingsschiffe - oder kann man dies noch getrost Schiffe nennen? - versuchen verzweifelt das rettende Ufer zu erreichen. Ich meine hiermit die vielen, vielen Menschen, welche versuche ihr Land zu verlassen und nach Europa zu kommen. Was ist mit diesen Flüchtlingen? Wer kümmert sich um diese? Wer nimmt diese auf? Wo ist mein Zimmer in meinem Haus, in dem ich einen Flüchtling aus Somalia verstecke, damit ihn die deutsche Regierung im Namen Europas nicht wieder abschiebt? Wo ist hier meine Aktion?
Oder verstecke ich mich in meiner Wohnung und denke mir, ich tue nichts so tut mir keiner was?
Schuldig!
Ich gebe es hiermit zu - ich bin schuldig. Ich schaue tatenlos zu. Schüttel den Kopf, wenn ich wieder mal von einem Flüchtlingsschicksal in der Zeitung lese. Wenn irgendwelche Institutionen bestimmen, dass der Flüchtling gar kein Flüchtling sei, sondern nur ein Ausreisser, der versucht sich in unserem gemachten Nest wohl zu fühlen. Weg mit ihm. Fort. Unser Nest ist unser Nest. Dafür haben wir gekämpft.
Schuldig!
Und dann diese nette Statistik - 80% der Ressourcen unserer Welt werden derzeit von den Industriestaaten verbraucht und ausgeschlachtet. Das Nest wird gemacht. 80% der Ressourcen! Wenn alle anderen Menschen (ja, Menschen!) auf dieser Welt so angenehm Leben sollten wie wir es im Westen tun, dann bräuchten wir bereits jetzt 4 Erden. Denn wir verbauchen einfach zu viel. Zu viele Menschen.
Schuldig!
Mein Nest ist schön warm, Das verteidige ich. Mein Land. Meine Kultur. Meine Sprachen. Mein - mir - mich.
Ich bin schuldig. Und auch schuldig, dass dies alles ein Lippenbekenntnis ist. es ist einfach zu sagen, ich bin schuldig und nichts zu ändern. Es geht ja nicht darum eine Schuld einzugestehen. Sondern darum, dass diese mein Handeln verändert. Damit mein Dasein einen Sinn erhält.
In diesem Sinne, einen schönen Tag noch. Die Sonne scheint.
Mit Liebe
Marcus